KRITIK UND PERSPEKTIVEN ANTISEXISTISCHER ARBEIT
Debatte: Oberkörperfrei?
Debatten um FLINTA-Begriff ● Debatte: Oberkörperfrei? ● Einleitung ● AC/PC&H.A.R.A.K.I.R.I: Kritik ● AC/PC&H...: Perspektiven
In den meisten linken Projekten und Camps gibt es einen Oben-Ohne-"Konsens". Alle lassen ihr Shirt an, niemand ist oberkörperfrei.
Cis-Typen haben das Privileg, das sie oberkörperfrei sein können, während Menschen mit Brüsten das meist nicht können. (Anmerkung hier: Es gibt natürlich auch Menschen ohne Brüste, für die es nicht so einfach ist OKF zu sein, z.B. von Fatshaming Betroffene; Menschen mit Mastek-Narben, die sich nicht wohl damit fühlen, sich zwangs zu outen, ... )
So weit so gut.
Das Problem dabei ist: Es gibt viele Menschen mit Brüsten, die auch gerne mal oben ohne rumlaufen würden. Vor allem auf Camps bietet sich das an. Es ist warm, sonnig und einfach angenehm. Aber aufgrund des Oben-Ohne-Konsens auf den meisten Camps geht das nicht.
Man sieht: Der Bedarf ist da. Menschen mit Brüsten wollen sich empowern und endlich auch ohne Shirt rumlaufen.
Klar, der allgemeine Oben-Ohne-Konsens soll dafür sorgen, dass Leute sich nicht unwohl fühlen mit Cis-Typen ohne Shirt. Dass sich alle wohl fühlen ist wichtig.
Was könnten andere Möglichkeiten sein? Ich glaube das ist sehr vom Ort wo man eine Regel diesbezüglich einführen will abhängig:
Ich glaube in einem Hausprojekt oder einer Besetzung wo Menschen permanent wohnen und sich gegenseitig kennen kann man einfach schauen was die Bedürfnisse der einzelnen Leute sind und daraufhin dann Vereinbarungen treffen.
Bei einem größeren Camp oder Event ist das schon schwieriger. Eine Option wäre OKF nur für Menschen mit Brüsten. Eine andere wäre für alle außer Cis-Männer. Oder man wagt den Versuch die Regel komplett weg zu lassen und gibt im vorhinein Triggerwarnungen das dort oberkörperfreie Menschen, egal welchen Geschlechts, sind.
Im Hambacher Forst konnten, zumindest in frühen Zeiten der Besetzung (2015-2018, in dieser Zeit habe ich dort gelebt, kp wie es zurzeit ist oder vor 2015 war) alle Menschen, die es wollten, oberkörperfrei rumlaufen.
Ich erinnere mich noch an meinen ersten Frühling dort, es war ein warmer Apriltag und ein Mensch mit Brüsten hat oberkörperfrei an einer Veranda rumgewerkelt. Für mich war dieser Moment ein echter Game-Changer. Ich dachte mir oh wenn dieser Mensch das kann kann ich das auch machen. Gesagt getan. Für mich war das sehr befreiend. Und es waren nicht nur wir beide, es gab immer wieder Menschen mit Brüsten die das gleiche getan haben. Und auch Menschen ohne Brüste.
Manchmal gab es Beschwerden über "oberkörperfreie Frauen" (wobei sich nicht alle der gemeinten Personen als weiblich identifiziert hatten) bei den einmal monatlich stattfindenden Waldspaziergängen. Hier waren eben nicht nur wir Besetzer*innen anwesend, sondern auch Menschen aus eher bürgerlichen Kreisen. Wir sind aus Protest natürlich oberkörperfrei geblieben. Einige haben sich überhaupt erst nach diesen Beschwerden das Shirt ausgezogen.
Cis-Typen haben das Privileg, das sie oberkörperfrei sein können, während Menschen mit Brüsten das meist nicht können. (Anmerkung hier: Es gibt natürlich auch Menschen ohne Brüste, für die es nicht so einfach ist OKF zu sein, z.B. von Fatshaming Betroffene; Menschen mit Mastek-Narben, die sich nicht wohl damit fühlen, sich zwangs zu outen, ... )
So weit so gut.
Das Problem dabei ist: Es gibt viele Menschen mit Brüsten, die auch gerne mal oben ohne rumlaufen würden. Vor allem auf Camps bietet sich das an. Es ist warm, sonnig und einfach angenehm. Aber aufgrund des Oben-Ohne-Konsens auf den meisten Camps geht das nicht.
Hier eine kleine Story vom KlimaCamp 2016 in der Lausitz. Hier gab es anfangs keine Regelung zum Thema Oben-Ohne. Als am ersten Tag Menschen ohne Brüste ohne Shirt rumgelaufen sind hat niemand was gesagt. Am nächsten Tag haben das auch einige Menschen mit Brüsten gemacht. Warum auch nicht.
Tjaaa und dann haben sich wohl plötzlich irgendwelche Leute beschwert. Konsequenz: Niemand darf mehr OKF sein.
Einige der Menschen mit Brüsten fanden das doof und sind dann mit abgeklebten Nippeln und mit Edding beschrieben "zensiert vom Klimacamp" rumgelaufen.
Man sieht: Der Bedarf ist da. Menschen mit Brüsten wollen sich empowern und endlich auch ohne Shirt rumlaufen.
Klar, der allgemeine Oben-Ohne-Konsens soll dafür sorgen, dass Leute sich nicht unwohl fühlen mit Cis-Typen ohne Shirt. Dass sich alle wohl fühlen ist wichtig.
Was könnten andere Möglichkeiten sein? Ich glaube das ist sehr vom Ort wo man eine Regel diesbezüglich einführen will abhängig:
Ich glaube in einem Hausprojekt oder einer Besetzung wo Menschen permanent wohnen und sich gegenseitig kennen kann man einfach schauen was die Bedürfnisse der einzelnen Leute sind und daraufhin dann Vereinbarungen treffen.
Bei einem größeren Camp oder Event ist das schon schwieriger. Eine Option wäre OKF nur für Menschen mit Brüsten. Eine andere wäre für alle außer Cis-Männer. Oder man wagt den Versuch die Regel komplett weg zu lassen und gibt im vorhinein Triggerwarnungen das dort oberkörperfreie Menschen, egal welchen Geschlechts, sind.
Im Hambacher Forst konnten, zumindest in frühen Zeiten der Besetzung (2015-2018, in dieser Zeit habe ich dort gelebt, kp wie es zurzeit ist oder vor 2015 war) alle Menschen, die es wollten, oberkörperfrei rumlaufen.
Ich erinnere mich noch an meinen ersten Frühling dort, es war ein warmer Apriltag und ein Mensch mit Brüsten hat oberkörperfrei an einer Veranda rumgewerkelt. Für mich war dieser Moment ein echter Game-Changer. Ich dachte mir oh wenn dieser Mensch das kann kann ich das auch machen. Gesagt getan. Für mich war das sehr befreiend. Und es waren nicht nur wir beide, es gab immer wieder Menschen mit Brüsten die das gleiche getan haben. Und auch Menschen ohne Brüste.
Manchmal gab es Beschwerden über "oberkörperfreie Frauen" (wobei sich nicht alle der gemeinten Personen als weiblich identifiziert hatten) bei den einmal monatlich stattfindenden Waldspaziergängen. Hier waren eben nicht nur wir Besetzer*innen anwesend, sondern auch Menschen aus eher bürgerlichen Kreisen. Wir sind aus Protest natürlich oberkörperfrei geblieben. Einige haben sich überhaupt erst nach diesen Beschwerden das Shirt ausgezogen.
Aus dem "Queerotic Kalender 2027"