Verónica Gago, Professorin für Gendertheorie und kritische Theorie an der Universidad Nacional de San Martín
Es läuft ein erbitterter Kampf um Handlungsmacht. Um darin eine Chance zu haben, brauchen wir Formen der Vorstellungskraft und des Handelns, die weit über die liberale Demokratie, ihre Prozesse und Institutionen hinausgehen.
Wendy Brown, emeritierte Professorin für Politikwissenschaften der University of California in Berkeley
Die liberale Demokratie geht zu Ende … Zum einen steht sie gesellschaftlichen Kräften gegenüber, die sie nicht eindämmen kann, weil sie deren Macht nicht versteht. Sie erkennt Macht traditionell nur in souveränen Staaten und Individuen. Doch die werden heute vom transnationalen Produktiv- und Finanzkapital und digitalen Technologien wie sozialen Medien und KI organisiert. Diese Mächte zersetzen die liberale Demokratie, umgehen ihre Institutionen, Prozesse und Rechenschaftspflichten. Hinzu kommen globale Probleme.
Rahel Jaeggi, Professorin für Sozialphilosophie und Politische Philosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin
Jedenfalls ist die liberale Demokratie nicht in der Form zu retten, in der sie jetzt existiert. Sie lässt sich nur nach vorne verteidigen. Es braucht nicht nur eine Brandmauer gegen rechts, sondern ein Programm gegen die Faschisierungstendenzen, eine soziale Gegenbewegung für emanzipative Veränderungen. … Wollen wir den Faschisierungstendenzen etwas entgegensetzen, müssen wir das, was uns alle angeht, zum Gegenstand wirklicher gemeinsamer Verfügung machen – das Gesellschaftliche vergesellschaften.
Carolin Amlinger, Literatursoziologin an der Universität Basel
Wir brauchen eine alternative Vision davon, wie Demokratie zu einem wirklich inklusiven Gemeinwesen werden kann. Dafür müssen wir uns zunächst ehrlich mit den drängendsten Herausforderungen auseinandersetzen: der gewachsenen Ungleichheit, der mangelnden Teilhabe und den ökologischen Grenzen des fossilen Kapitalismus.
Isabell Lorey, politische Theoretikerin und Professorin für Queer Studies an der Kunsthochschule für Medien in Köln
Die liberale Demokratie krankt an einem Geburtsfehler. Sie ist von Herrschaftsverhältnissen durchzogen, seitdem sie existiert.
Michael A. McCarthy, kritischer Theoretiker und politischer Soziologe an der University of California, Santa Cruz
Wir sollten uns auch nicht darum bemühen, die liberale Demokratie zu retten. … Die Forschung zeigt, dass zufällig geloste Gruppen oft bessere politische Entscheidungen fällen, weil sie frei von äußerer Einflussnahme sind. Sie gelten deshalb auch als legitimer. Eine wahre Alternative zum manipulationsanfälligen System der liberalen, repräsentativen Demokratie!