Stiftung Freiräume

AUSGRENZUNG IN SOZIALEN BEWEGUNGEN

Absurde Beispiele: Wikipedia, linke Gruppen usw. zum Mythos "Jörg Bergstedt"


1. Übersicht
2. Wer Hierarchien und Eliten kritisiert, hat primitive Feinde!
3. Zensur von überall: Eliten politischer Bewegung sichern ihre Pfründe
4. Absurde Beispiele: Wikipedia, linke Gruppen usw. zum Mythos "Jörg Bergstedt"
5. Nur wenig Solidarität: Die politischen Prozesse gegen Projektwerkstättler

In der Regel sind es Personen, die Jörg Bergstedt gar nicht kennen. Sein Name steht als Symbol für bestimmte Positionen in der Bewegung, unter anderem für eine scharfe Kritik an internen Hierarchien und kommerziellen Interessen, für eine Absage an kollektiven Identitäten und Label, für kreative Aktionsformen, Selbstermächtigung auch gegenüber Repressionsbehörden und eine anarchistische Gesellschaftsanalyse mit Tiefgang. Wie weit solche Idee wirklich mit dem Namen verbunden oder nicht vielmehr von sehr unterschiedlichen Menschen getragen werden, ist bereits eine der Frage, die gar nicht geklärt werden. Denn ein Name ist besser angreifbar, d.h. es ist eine taktische Frage, so zu tun, als gäbe es nur einen Bösen in der Welt. Klar ist, die benannten Positionen gefallen autoritären Strömungen und Bewegungsapparaten nicht. Also bekämpfen sie ihre Kritiker*innen.

Wikipedia
Im Frühsommer 2005 machte sich jemand die Arbeit, bei Wikipedia einen Eintrag zu "Jörg Bergstedt" zu machen. Das ist eine Enzyklopädie, bei der alle mitschreiben können. Eigentlich war der Eintrag ziemlich platt, zunächst waren auch weiterführende Links darunter, die überwiegend seltsame Ergebnisse brachten. Es waren de.vu-Adressen, die mit gleichen Interessen von GegnerInnen der Projektwerkstatt auf deren Namen eingerichtet wurden und dann auf Seiten zeigten, die gar nichts mit der Projektwerkstatt zu tun hatten.
Im Text waren etliche komplett erfundene Behauptungen drin - aber reichlich versteckt, damit es nicht auffällt.



Die Strategie ist nicht dumm - auf jeden Fall war sie ausreichend, dass alle möglichen MitleserInnen drauf hereinfielen und bei dem Projekt eines Eintrag dieser Art sogar mitmachten. Wohl ungeplant rief der Eintrag aber andere Projektwerkstatts-HasserInnen auf den Plan. Die checkten das Spiel ebenfalls nicht und dachten (wie blind muss mensch sein ...), dass der Eintrag eine Selbstdarstellung wäre - und forderten die Löschung, weil sie wohl keine Lust hatten auf eine "Werbung" für ProjektwerkstättlerInnen. So entstand eine Debatte auf der Löschseite von Wikipedia. NIEMAND äußerte dort den Verdacht, dass das Ganze ein Fake sei - alle glaubten treudoof dem Macher des Bergstedt-Eintrags. Der selbst verteidigte nun erstmal seinen Eintrag, schließlich sollte der ja noch zu was benutzt werden. Denn die versteckten Erfindungen hätten es in sich:
  • Ex-Grünen-Mitglied, daraus wäre vielleicht was zu machen gegen die antiparlamentarische Position rund um die Projektwerkstatt. Tatsächlich war Jörg Bergstedt schon in den Zeiten der Gründung der Grünen aktiv und einer der sehr wenigen "Ökos", die gegen die Gründung der Grünen waren (wie auch später bei der Gründung der Ökoli, der WASG usw.).
  • Kritiker der Geldwirtschaft, daraus könnte dann der zur Zeit in linken Kreisen inflationierte Vorwurf des Antisemitismus folgen. Nur: Das ist frei erfunden, vielmehr gehört J.B. gerade zu den bekanntesten Kritikern der Freiwirtschaft und der auf die Finanzmärkte beschränkten Kritik am Wirtschaftssystem (siehe u.a. im Internet oder in den Büchern "Mythos Attac", "Reich oder rechts" und "Nachhaltig, modern, staatstreu".
  • Die Verweise auf Froschrettungsaktionen und Dinkeleintopf könnten genutzt werden, um J.B. als dumpfen Öko zu beschreiben. Hier deutet sich an, dass hinter dem Text (wenn es nicht VS, intelligentere gefrustete Bullen aus Mittelhessen u.ä. sind) Kreise stecken, die einen starken Hass gegen "Ökos" haben.

Mitte Juni 2005 wurde nun dieser ganze Kram auf der Lösch-Diskussionsseite aufgeklärt. Oder vielmehr: Das wurde versucht. Denn nun stellte sich schnell heraus, dass die Manipulation offener wurde, damit das Ganze nicht auffliegt. Alle Aufklärungen über die Hintergründe der Wikipediaseite wurden sofort immer wieder gelöscht - von wem auch immer. Das größte Interesse dürfte sicherlich die Person haben, die das Wiki zu J.B. gemacht hat und darüber wohl die Propaganda gegen die Projektwerkstatt organisieren wollte. Die Löschungen zeigen, dass hier nicht nur mit Witz gearbeitet wird, sondern recht systematisch: Ständige Kontrolle der Seite, sofortige Löschungen ... das ist ja auch ein Aufwand an Zeit und Energie.
Einer der gelöschten Beiträge mal per Screenshot verewigt:


Am 28.6.2005 wurde das Jörg-Bergstedt-Wiki um folgenden Eintrag ergänzt:


Passenderweise schreibt der Bergstedt-Hetzer nun in einer Selbstdarstellung schön das Gegenteil seiner Intention - wenn ihn Machtspiele langweilen, warum tut er es? Der Ausschnitt stammt von de.wikipedia.org/wiki/Benutzer:Honecker.


Schließlich wurde die Seite für viele Monate gesperrt (das passiert nicht vielen Wikipedia-Seiten ...). Nach der Aufhebung ging es dann munter weiter, nur dass offenbar andere Personen nun agierten und im Stundentakt den Text umschrieben. Aus der Debatte:




Ohnehin: Zensur auf Wikipedia
Bücher aus der Projektwerkstatt, der Verlag SeitenHieb und die Projektwerkstatt als Ganzes sollen auf Wikipedia möglichst nicht erwähnt werden. Das geben die Wikipedia-"Polizist_innen" sogar zu, die teilweise innerhalb von Sekunden Beiträge entsprechend zensieren (also offenbar automatisch danach überwachen). Beispiele auf der Wikipediaseite ... und hier zum Eintrag auf der Seite zu "Saasen". Der ist besonders lustig, denn so richtig viel hat der kleine Ort Saasen nicht zu bieten. Die Projektwerkstatt ist das einzig überregional bekannte. Erwähnt werden darf es im Eintrag "Saasen" aber nicht. Eine Minute, so zeigt es die Versionsgeschichte, brauchte es von Eintrag bis Zensur (im Eintrag zu "Reiskirchen" wurde der Hinweis auf die Projektwerkstatt ebenfalls sofort gelöscht).

Screenshot der Versionsgeschichte

Das Löschargument mit dem Link ist erkennbar vorgeschoben. Zum SV Saasen gibt es gar keine Quellenangabe.

Noch eindeutiger war die jahrelange Zensur aller SeitenHieb-Bücher. Hier gaben Wikipedia-Admins offen zu, dass Bücher dieses Verlags unerwünscht seien.


Linke Kritik am Beispiel: Solid Nürnberg
Im Mai 2018 haute eine linke Gruppe aus der Frankenmetropole einen Text raus, der offenbar gar keinen Anlass hatte. War denen langweilig? Jedenfalls gab es gar keinen Kontakt, keine irgendwie geartete Begegnung, Kooperation - einfach kein Vorgang, der als Auslöser der Hasstirade in Frage kam. Jedenfalls veröffentliche die Gruppe einen bemerkenswerten Text im Internet. Darin wird zunächst eine typische, dogmatisch-marxistische Position gegen das Individuum und für eine gesteuerte Gesellschaftsumwälzung von oben bezogen. Das ist der übliche Hass marxistischer Kreise, die es richtig finden, alle Macht an sich zu reißen, um dann Menschen zum Gut-sein umzuerziehen, auf eine anarchistische Theorie, die genau dieser Strategie nachweist, dass sie immer daran scheitern wird, dass Herrschaft sich nie auflöst, sondern immer selbst verstärkt.
Danach folgen Hasstiraden gegen direkte Aktion und schließlich ausgerechnet die Besetzungen im Hambacherforst, weil deren "Lebensverständnis nichts anderes ist, als das antiziganistische Bild des bürgerlichen Individuums". Da muss mensch erstmal drauf kommen, dass Baumhäuser nicht dem Schutz der Bäume, sondern dem Hype des Lebens ohne Steinhäuser und damit dem Bezug auf "Zigeuner" (was macht da eigentlich dieses Wort?) dient.

Der Text schließt mit der bemerkenswert reflektieren Bemerkung:
Außerdem sind die Präsentationen von Bergstedt unglaublich hässlich und unterlaufen jeden Mindestanspruch an ästhetischem Gehalt. Adorno hätte die Bullen gerufen.
"

Einige Zeit später gab es einen zweiten Text aus derselben Gruppe, quasi die Gegenposition.

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