Stiftung Freiräume

ZICKIGE WISSENSCHAFT: WER IST DIE „LINKE“?

Was ist der Mensch?


1. Vorweg: Der Zickensong – (Text: Jaybee)
2. "Werdet zickig!" - eine Kurzgeschichte
3. Zitate zu Schafen und Hirten
4. Was ist der Mensch?
5. Links

Für die Debatte um Herrschaft, Kontrolle und gesellschaftliche Organisierung, genauso aber für Organisierungsansätze in sozialen Zusammenhängen bis politischen Gruppen spielt das Menschenbild eine große Rolle. Ein zentraler Diskurs lautet: Der Mensch ist ein Herdentier. Oft wird dabei sogar noch auf die Welt der Tiere verwiesen. Das ist jedoch nicht nur generell gefährlich, stellt es doch den klassischen Fall von Biologismus dar, bei dem Verhaltensschemata aus der instinktgesteuerten Welt auf den sozial organisierten Menschen übertragen werden. Sondern es ist auch von der Sache selbst her falsch. Denn die Organisierungsform "Herde" kommt zwar in der Natur vor, aber gerade nicht bei Tieren, die dem Menschen nahe stehen und die sichtbar - ähnlich wie der Mensch - ihr Sozialverhalten nicht nur über Instinkte, sondern auch über Kommunikation steuern. Schon Wölfe & Co. leben nicht mehr in Herden, sondern in ausdifferenzierteren Rudeln. Affen, Delphine & Co. haben demgegenüber nochmals weiterentwickelte soziale Organisierungsformen und leben in Gruppenstrukturen, die weder geschlossen noch in sich einheitlich sind. Es ist daher selbst aus aus dem gefährlichen Blickwinkel des Biologismus falsch, von Zebras auf Menschen zu schließen! Dass es dennoch geschieht, zeigt das hohe Interesse am Herden-Diskurs - für Erhalt und Ausbau von Herrschaft ...
  • Der Mensch - Individuum oder Kollektiv?

Diskurs: Der Mensch ist ein Herdentier
Aus einem Text auf Telepolis vom 15.2.2008
Menschen sind Herdentiere wie Schafe und folgen einigen wenigen Individuen, sagen britische Wissenschaftler der University of Leeds. Wenn fünf Prozent einer Menge den Weg vorgeben, dann folgen ihnen die restlichen 95 Prozent, ohne groß nachzudenken. Dazu sind keine verbalen Äußerungen oder andere Signale notwendig. Selbst wenn es um Entscheidungen geht, welche Richtung eingeschlagen werden soll, werden diese schnell getroffen.
Für ihre Studie, die in der Zeitschrift Animal Behavior erschienen ist, hatten die Biologen eine Reihe von Experimenten asgeführt, bei denen die Versuchspersonen in einer großen Halle planlos herumgehen sollten. Einigen Versuchspersonen wurde gesagt, wohin sie gehen sollten. Untereinander reden sollten sie nicht. Stets seien die Versuchspersonen den "Anführern" gefolgt und hätten eine sich selbst organisierende Struktur in Form einer Schlange gebildet. Die Teilnehmer hätten meist auch gar nicht realisiert, dass sie von anderen Personen geführt werden.


Aus José Antonio Marina (2011), „Die Passion der Macht“ (S. 37)
Etwas Ähnliches geschieht nun auch mit den anderen Figuren der Macht und des Gehorchens. Zum Beispiel ist in den frühen orientalischen Gesellschaften - Ägypten, Assyrien, Judäa - der Hirte, der seine Schafe lenkt und leitet, Archetyp des Regierenden. Wenn der Hirte verschwindet, zerstreut sich auch das Vieh. Seine Rolle ist, die Herde zu hüten. Diese Gestalt des Monarchen bedingt eine entsprechende Figur des Untergebenen. Er ist ein Schaf, das seine Handlungen nicht kontrollieren kann, das nicht weiß, wo die Weiden sind, das sich ohne den Hirten verirren und vom Wolf gefressen werden würde. Daher ist es nicht so anachronistisch, wenn das Bild des Hirten immer noch im christlichen Hirtenbrief gebraucht wird.


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