Stiftung Freiräume

ZUR KAMPAGNE "EXPO NO!" ZUR EXPO 2000 IN HANNOVER

Teil 4: Perspektiven des Anti-EXPO-Widerstandes nach der Aktionswoche


1. Teil 1: Einleitung, Hintergrund
2. Teil 2: Die Anti-EXPO-Mobilisierungskampagne
3. Teil 3: Auswertung der Aktionswoche in Hannover
4. Teil 4: Perspektiven des Anti-EXPO-Widerstandes nach der Aktionswoche
5. Teil 5: Linke Medien & EXPO-Widerstand
6. Berliner Auswertung, Teil A: Zur Aktionswoche
7. Berliner Auswertung, Teil B: Zur Berliner Anti-Expo-Arbeit
8. Teil 8: Längerfristige Konsequenzen

Es ist nicht gelungen die verschiedensten Teilbereichsbewegungen in den EXPO-Widerstand einzubeziehen.
Der Protestsommer sollte sich neben einiger zentraler Mobilisierungen (Aktionswoche zu Beginn ) mit unterschiedlich vielen Aktionstagen der einzelnen Teilbereichsbewegungen auch an unterschiedlichen Orten ausgefüllt werden.
So zum Beispiel gegen die Atomkraft: Siemenstag 7.6. und Grüner Atomkonsenzparteitag in Münster 23/24.6. . Beides in zeitlicher Nähe hätte die Anti-AKW-Bewegung eigendlich zur großen Mobilisierung und Protestaktionen veranlassen müssen, da aktuelle Tagespolitik auch gut mit der EXPO zu verknüpfen waren. Einzig die Siemenstheater-Protestaktion der BI Lüchow-Dannenberg am 7.6. auf dem EXPO-Gelände fand statt. Ein der gegenüber dem bundesweiten Anti-EXPO Plenum versprochener Traktorenkonvoi an einem Protesttag (favorisiert war der 1.6.) nach Hannover fand nicht statt, auch keiner nach Münster zum Grünenparteitag!
Die Studentenproteste gegen die Studiengebühren waren nicht hinreichend in den Anti-EXPO-Widerstand eingebunden. Eine Studentendemo am 27.5. in Hannover wurde so zeitlich gelegt, daß sich die Studenten nach ihrer Demo der Anti-EXPO-Demo anschließen konnten. Die Berliner Demo am Mo 5.6.2000 (ca. 3 bis 5000 Teiln.) war ziemlich wirkungslos und deren Kundgebungsbeiträge einfalslos (dominiert aus standardsgemäßen Gewerkschafter- und Parteiredner und nur am Rande powervolle Betroffene Studentenvertreter). Da diese Demo aus mehrern Bundesländern gemeinsam organisiert (zahlreiche Busse) wurde, wäre es sinnvoll gewesen gleich diese Demo nach Hannover zu verlegen und mit den beiden Hanoveraner Demos am 27.5. zu verknüpfen.
Eine bundesweite Mobilisierung zu der im Aktionskalender (Mobilisierungszeitung und Ö-Punkte) bereits angekündigten Aktionen gegen den Local Heroes 21-Kongreß nach Berlin zu einer Berliner Aktionswoche 1. bis 8.7. wurde nach der Aktionswoche in Hannover wieder abgeblasen. Stattdessen wurde das der Aktionswoche folgende bundesweite Anti-EXPO-Plenum zum Ende dieser Woche auf den 7. bis 9.7. gelegt. Damit war eine Vorbereitung einer Berliner Aktionswoche (nicht nur zum Local Heroes 21-Kongreß) vertan und nicht mehr möglich. Es wäre besser gewesen, das bundesweite Plenum ein Wochenende früher nach Berlin zu verlegen, damit die Leute dann in Berlin für folgende Aktionen gleich in der Stadt bleiben konnten:

1.7. Flughafen Schönefeld Blockadeaktionstag
2.7. Fahrraddemo zu EXPO Urban 21-Kongreß und ID 22 zur UFA-Fabrik
3.-6.7. Local Heroes 21-Kongreß in der UFA-Fabrik (Arbeitsgruppentag Mi 5.7.)
4.-6.7. EXPO-Urban 21-Kongreß im ICC
7.7. Stadtautobahneröffnung in Tempelhof/Neukölln
8.7. Loveparade Berlin

Der thematische Schwerpunkt zu Urban 21 war natürlich die Stadtumgestaltung von oben, zu der Hannover und Berlin prägnannte Beispiele sind. Schade, daß nichts draus wurde....

Die in mehreren Papieren (Aniti-EXPO RB 14/insbesondere im Papier Bolle und Pieke) geäußerte Kritik, daß die Biopolitik bzw. Gentechnik nicht hinreichend Piorität im Anti-EXPO-Widerstand bekam oder zu einem Oberthema erklärt wurde, ist vielleicht mit dem mangelnden Interesse oder entsprechend fehlender Aktionen zum Thema und damit unzureichender Vorbereitung (vgl Berlin-Aktionswoche) zu erklären. Aber was ja noch nicht ist, kann ja noch werden, z.B. über das Anti- GenCamp Ende August.

Bleiben als weitere bundesweite Aktionstage im Rahmen des Anti-EXPO-Widerstandes:
  • Chaostage Hannover 6.-8.8
  • IWF Prag 21.-28.9. mit Global Aktionstag 26.9.
  • Antinationaler Aktionstag 3.10. in Dresden, Hannover, Berlin (10 Jahre Tag der deutschen Wiedervereinigung)
  • Dezentrale Aktionstage zu "Expowelt austreiben" 27.-29.10.

Für die einen, z.B. Altlinke, die sich an starren Strukturen wie Jahreskalender und übliche Rituale orientieren ist auch das sicher schon zu viel. Für die anderen droht das mit der EXPO neu gewachsene Pflänzchen dem neu entstandenen Widerstandes und Vernetzungskultur in einem folgenden kommenden langen Winter ohne Castortransport (Nach letzten Meldungen frühestens im Frühjahr 2001) ganz einzuschlafen.
Es darf nicht sein, daß wie in der Friedensbewegung 1999 auch hier die Linke wieder auseinandergeht. Zukünftige bundesweite Großmobilisierungen dürfen nicht noch schwieriger bis garnicht mehr möglich werden, weil entsprechende Bewegungen und Bündnisse nicht mehr dafür zustande kommen. Um so mehr muß in Zukunft die Kraft darin verwendet werden Protestorganisationsstrukturen und -vernetzungen aufzubauen, Leute, Gruppen dafür zu gewinnen und bestehende Einrichtungen dafür zu nutzen.
 

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