Stiftung Freiräume

ALL THAT GENDER TROUBLE ... DOING GENDER!

Stimmlage als Ausdruck von doing gender


1. Rahmenbedingungen fördern Zweigeschlechtlichkeit
2. Stimmlage als Ausdruck von doing gender
3. Weitere Infos und Seiten zur Frage der Konstruktion zweier Geschlechter

Aus Stephanie Auth (2005): "Die alltägliche Konstruktion von Geschlecht - Möglichkeiten zur Auseinandersetzung durch performative Ansätze in der ästhetischen Praxis sozialer Arbeit"
Ein weiterer Aspekt, der als unterschiedlich weit greifende Raumeinnahme interpretiert werden kann, ist die Stimme. Eine laute, tragende, kräftige und eher tiefe Stimme– die wir i. d. R. mit einem Mann assoziieren- hat die idealen Voraussetzungen, sich in unserer Gesellschaft Raum und damit Gehör zu verschaffen. Die sanfte, ruhige, eher hohe Stimme, die v. a. Frauen zugeschrieben wird, wirkt dagegen eher unauffällig. Diese unterschiedlichen Eigenschaften, sind aber überraschenderweise nicht allein auf biologische Ursachen zurückzuführen. Es gibt zwar leichte anatomische Unterschiede in der Kehlkopfanatomie von Männern und Frauen, diese allein sind nach HENLEY „(…) jedoch nicht annähernd groß genug, um die Verschiedenheit männlicher und weiblicher Stimmen hervorzubringen, die wir täglich hören können.“
Selbst die Stimmlage, die nach alltagstheoretischen Annahmen ja eine biologische Tatsache ist, scheint also erheblich durch Erziehung und Sozialisation beeinflusst zu werden. Auch die großen Unterschiede in den Tonlagen, die bei gleichgeschlechtlichen Kindern vor der Pubertät und dem männlichen Stimmbruch noch bemerkbar sind und im Laufe der Sozialisation schwinden, sind ein Beleg dafür, dass die Stimme Teil des Doing Gender ist und mit sozialen Rollenerwartungen verknüpft ist. Dementsprechend wurden im Jahr 1971 zum ersten Mal die Nachrichten in der „heute“- Sendung vom ZDF von einer Frau vorgelesen (Vgl. REMUS 1984, S. 228). Als Ausreden dienten lange Zeit biologistische Argumente die besagten, eine Frauenstimme sei zu hoch und zu schrill oder die Arbeit sei körperlich zu anstrengend für Frauen (Vgl. KRAMARAE 1984 , S. 205). Auch heute noch sind die bis zu 7 Halbtöne tieferen Stimmen von Nachrichtensprecherinnen (wie auch von weiblichen Führungskräften) ein Beleg dafür, dass eine ‚männliche’ Tonlage bei wichtigen politischen Themen bevorzugt wird (Vgl. Slembek in Bischl 2000).

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