Stiftung Freiräume

VERKEHRSWENDE LOKAL DURCHSETZEN ... AKTIONEN, GRUPPEN, NETZWERKE USW.

Umfassende Verkehrskonzepte für eine Stadt bzw. Region entwickeln


1. Aktionen für eine Verkehrswende (allgemein)
2. Aktionen gegen Autos
3. Aktionen pro Zu-Fuß-Gehen und für autofreie Zonen
4. Große Aktionen und Aktionstage
5. Umfassende Verkehrskonzepte für eine Stadt bzw. Region entwickeln
6. Materialien (Broschüren, Ausstellungen, Flyer ...)

Der Sinn kreativer, direkter Aktionen ist, viel Aufmerksamkeit und politischen Druck zu schaffen für den Nulltarif, Fahrradstraßen, Busse, Straßen- und Seilbahnen, autofreie Zonen und eine Verkehrswende insgesamt. Da ist es nützlich, wenn wir die Utopien einer autofreien Welt auch darstellen können, sonst bleibt nur der Blick auf uns und unsere Aktionen, aber nicht auf das, was an Veränderungen nötig ist. Darauf kommt es aber ja an – nicht auf Label oder Personen. Werden für Städte und ihre Umgebung, für Stadtteile oder, nicht vergessen, ländliche Gemeinden mit ihren oft vielen Ortsteilen komplette Pläne erstellt mit den gewünschten ÖPNV-Linien, neuen Haltestellen, vielen zusätzlichen Radverbindungen und Fahrradstraßen, autofreien Zonen, Maßnahmen zur Barrierefreiheit usw., dann kann die Kraft der Aktionen in konkrete Veränderungen durch politische Beschlüsse verwandelt werden. Die Pläne bieten schon in der Erarbeitungsphase viele Chancen, Menschen zu beteiligen, darunter auch und gerade die, die durch ihr Alltagswissen viel bessere Hinweise geben können als die abgehobenen Ingenieurbüros aus fernen Städten, die mit viel Steuergeld irgendwelche realitätsfernen Pläne produzieren, um Schubladen zu füllen. Ihr könnt Infostände machen, an denen ihr Pläne aushängt, Modelle ausstellt und Anregungen sammelt, Fragebögen verteilen oder einfach an bekannten Treffpunkten der jeweiligen Stadtteile Gespräche anzetteln. Die Ergebnisse können in ihren jeweils aktuellsten Fassungen im Internet präsentiert werden, mit modernen Onlinetools lassen sich sogar gemeinsame Treffen im Internet vereinbaren, auf denen diskutiert und auf Plänen herumgemalt wird. Seid ihr mit einer Version zufrieden, könnt ihr die als Faltblatt drucken und in Umlauf bringen – auslegen, bei Aktionen verteilen, auf euren oder vor anderen Veranstaltungen den Menschen in die Hand drücken. Allein das würde eure kreativen Aktionen enorm aufwerten, weil ihr die entstandene Aufmerksamkeit nutzt, den Menschen etwas in die Hand zu drücken, was die dann – angefixt durch eure Aktion – hoffentlich auch anschauen. Auf diese Art gelang es zum Beispiel in Gießen und im benachbarten Buseck, dass sich recht schnell alle politischen Debatten und Akteuris an diesen Plan orientierten.

Was gehört in einen Verkehrswendeplan?
Die Kraft der konkreten Verkehrswende stammt aus den Aktionen und aus der Qualität des Planes selbst. Dazu gehört, dass er mutig ein funktionierendes Modell einer die Autoorientierung überwindenden Mobilität entwirft. Er ist nicht länger ein kleinteiliges Herumdoktorn an so nicht lösbaren Problemen, sondern ein spektakulärer Entwurf, der klar aussagt: Ja, das wäre wirklich mal eine andere Welt (der Mobilität).
Zeichnet deshalb in die Karte alles ein, was ihr für richtig und nötig haltet, und nicht nur das, was ihr glaubt, im Moment durchsetzen zu können. Denn der Plan verschiebt die Grenze des Durchsetzbaren.
  • Fahrradstraßen, eventuell unterschieden nach autofrei (also normal), Anlieger frei, Linienverkehr frei oder KFZ frei, wobei letzteres hoffentlich die Ausnahme bildet und nach den geltenden Verordnungen auch sein soll.
  • Gefährliche Querungen über und Kreuzungen mit Autostraßen, die entschärft werden müssen.
  • Vorschläge für Fahrradabstellanlagen, Lastenrad-Verleihpunkte usw.
  • Autofreie Ortskerne und Zonen um sensible Bereiche (Kindergärten, Schulen, Seniorenwohnstätten, Krankenhäuser usw.), die ebenfalls für den Autoverkehr komplett zu sperren sind.
  • Fußgängizonen, Rundum-Grün-Kreuzungen und Vorschläge zur Barrierefreiheit für Rollstuhlfahris, Kinderwägen, Rollatoren usw.
  • ÖPNV-Infrastruktur mit Umstiegsmöglichkeiten zwischen unterschiedlichen Verbindungen und Verkehrsmitteln (Straßenbahn, RegioTram, Buslinien). Zu reaktivierende (Bahn-)Strecken können hervorgehoben werden, aber auch Neubau, Ausbau, alte und neue Haltestellen, Busverbindungen sowie weitere Verkehrssysteme.

Zusätzlich zur grafischen Gestaltung können dann Erklärungen, offene Fragestellungen und Forderungen attraktiv auf dem Plan platziert werden. z.B.:
  • Forderung nach maximal Tempo 30 flächendeckend innerorts
  • Abschaffung (falls vorhanden) grüner Abbiegepfeile für Autos zur Vermeidung der häufigen Rechtsabbiegeunfälle
  • Als Sofortmaßnahme die Freigabe für Fahrräder, in Einbahnstraßen in die Gegenrichtung fahren zu dürfen
  • Beschreibung der ÖPNV-Verkehrssysteme und deren jeweiligen örtlichen Vorteil
  • Forderung nach zeitlich getakteten, barrierefreien und überdachten Übergängen zwischen Verkehrssystemen (z.B. Bahn-Bus)
  • Parkraumbewirtschaftung

Am besten trägt der Plan keinerlei Label. Er stellt einfach die Sammlung aller Ideen verschiedener mit Verkehrsfragen befasster Gruppen dar - seien es namenlose Initiativen, Einzelpersonen oder die bekannten NGOs. Sinnvoll sind hingegen Kontaktadressen, Internetseiten für weitere Informationen usw.
Solche Prozesse wie in Gießen und Buseck, zudem inzwischen auch in Koblenz ähnlich wirkungsvoll wiederholt, lassen sich überall wiederholen, um für den Weg hin zu einer autofreien Welt einen konkreten, überzeugenden und wirksamen Vorschlag zu unterbreiten. Als kreative Sammlung der Ideen verschiedener Gruppen – seien es namenlose Initiativen, Einzelpersonen oder NGOs – kann so ein hierarchiearmer und gleichzeitig radikaler Bezugspunkt für die lokale Bewegung entstehen. Durch den Verzicht auf die Nennung vieler Label oder eines gemeinsamen Herausgebernamens entsteht eine Atmosphäre, in der die Beteiligten nicht ständig darauf gucken müssen, ob jedes Details auch mit ihrem guten Ruf in Einklang zu bringen ist, sondern lieber möglichst viele ihrer Ideen einzubringen, damit der Plan all dieses mit aufführt – aber dann eben neben den Ideen auch all der anderen, die da mitwerkeln.
Beim Entwerfen lohnt es sich auch einen Blick auf Städte zu werfen, die als Vorbild dienen können (z. B. Verkehrsführung in Groningen [NL] oder Kopenhagen, Fahrradstraßen in Münster, Seilbahnen in La Paz [BOL]). Ansonsten: Fahrt die Strecken ab, redet mit den Menschen vor Ort und schaut, wo Verknüpfungen mit bestehenden Pläne möglich sind.

Kapitel zu Verkehrswendeplänen (mit vielen Bildern) im Anti-Auto-Aktionsbuch

Checkliste „Umfassender Verkehrswendeplan“
  • Erstellt euch eine gute Kartengrundlage ohne Copyright, z.B. von Openstreetmap.
  • Recherchiert, welche Vorschläge es in Politik, Verwaltung, bei Umweltverbänden, ADFC, VCD und andern schon gibt, und tragt alles, was euch sinnvoll erscheint, in den Plan ein. Mancherorts haben auch Initiativen oder Einzelpersonen schon Pläne gemacht, denkbar auch als Schul- oder Studienarbeit.
  • Benutzt am besten ein Grafikprogramm mit verschiedenen Layern (Ebenen) für Fuß-, Radwege, ÖPNV-Linien und weitere Eintragungen, damit ihr die einfach wieder ändern und ergänzen könnt.
  • Erstellt von den ersten Entwürfen eine Datei und verschickt die an alle, die zu verkehrspolitischen Sachen aktiv sind mit der Bitte um Kommentare und Ergänzungen. Verabredet euch mit den Leuten aus solchen Gruppen und sammelt deren Ideen, Ergänzungen und Bedenken zu den eingetragenen Fuß- und Radverbindungen, Barrierefreiheit, Bus und Bahn sowie der ganzen Infrastruktur rundherum ein.
  • Druckt den Plan möglichst groß aus (A1, A0 oder noch größer) und postiert euch in der Innenstadt, in Ortsteilen, vor Schulen, Einkaufszentren und anderen großen Einrichtungen. Informiert dort die Passantis und bittet sie, ihre Anregungen hinzuzufügen.
  • Präsentiert die ersten Entwürfe und die Aktionen in der Öffentlichkeit und in den Medien. Übergebt, wenn ein guter Zwischenstand geschafft ist, die Ergebnisse medienwirksam an Parteien und Verwaltung.
  • Richtet dann eure Aktionen an dem Plan aus, d.h. macht Straßenfeste dort, wo die Autos raus sollen, meldet Fahrradstraßen als Versammlung dort an, wo welche hin sollen usw. Verteilt den gedruckten Plan bei jeder Aktion und anderen Gelegenheiten.

Aus der Verkehrsaktionszeitung "Rad ab?!"
2017 setzten sich in Gießen ein paar Leute zusammen und entwickelten einen kleinen Plan mit Forderungen für mehr Fußwege, Fahrradstraßen und eine Straßenbahn. Aktionen starteten, Initiativen gründeten und vernetzten sich. Der „selbstgemachte“ Plan wurde in der Folge weiterentwickelt und ist mittlerweile in der Region Ausgangspunkt fast aller verkehrspolitischen Debatten.
Dieser Prozess lässt sich überall wiederholen und so die Utopien einer autofreien Welt auch konkret darstellen. Es muss dann nicht mehr darauf gewartet werden, dass irgendwelche Stadtplaner:innen zaghafte Vorschläge machen. Die Menschen machen ihre Vorschläge selber sichtbar und können sie anschließend als Flugblatt verteilen und präsentieren. Das bringt den Aktionen zusätzliche Stärke, während umgekehrt die Aufmerksamkeit auf die Vorschläge durch die Aktionen gesteigert wird. Als kreative Sammlung der Ideen verschiedener Gruppen – seien es namenlose Initiativen, Einzelpersonen oder NGOs – kann so ein hierarchiearmer und gleichzeitig radikaler Bezugspunkt für die lokale Bewegung entstehen. Ein Plan, der als gemeinsamer Nenner mit dem Verzicht auf Label oder Stellvertreter:innen für Ergänzungen und Verbesserungen offen bleibt, ohne nur von einzelnen als Aushängeschild benutzt zu werden.

Die verschiedenen Elemente
Bei dem Sammeln von Ideen und dem anschließendem Entwerfen der Karte gehört
dann einiges dazu:
• Fahrradstraßen ggf. mit Kennzeichnung, ob autofrei, Anlieger frei oder KFZ frei (wobei letzteres hoffentlich und eigentlich auch nach StVO die Ausnahme bleibt)
• Markierung gefährlicher Kreuzungsstellen zu Autostraßen, die entschärft werden müssen
• Vorschläge für Fahrradabstellplätze, Lastenrad-Verleihpunkte usw.
• autofreie Ortskerne sowie die Markierung sensibler Bereiche (Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser usw.) die ebenfalls für den Autoverkehr zu sperren sind.
• Fußgänger*innenzonen und durchgängige Fußwege durch den Ort mit Rundum-Grün-Kreuzungen und konkreten Vorschlägen zur Barrierefreiheit.
• ÖPNV-Infrastruktur mit Umstiegsmöglichkeiten zwischen unterschiedlichen Verbindungen und Verkehrsmitteln (Straßenbahn, RegioTram, Buslinien). Dabei hervorzuheben sind zu reaktivierende (Bahn-) Strecken (Vorteil, dass Infrastruktur noch vorhanden)
Zusätzlich zur grafischen Gestaltung können dann Erklärungen, offene Fragestellungen und Forderungen attraktiv auf dem Plan platziert werden. z.B.:
• Forderung nach maximal Tempo 30 innerorts
• Abschaffung (falls vorhanden) grüner Abbiegepfeile
• Als Sofortmaßnahmen die Freigabe von Einbahnstraßen in Gegenrichtung für Fahrräder
• Beschreibung der ÖPNV-Verkehrssyteme und deren jeweiligen örtlichen Vorteil
• Forderung nach zeitlich getakteten Übergängen zwischen Verkehrssystemen (z.B. Bahn-Bus)
Beim Entwerfen lohnt es sich auch einen Blick auf Städte zu werfen, die als Vorbild
dienen können (z. B. Verkehrsführung in Groningen [NL], Fahrradstraßen in Münster, Seilbahnen in La Paz [BOL]). Fahrt die Strecken ab, redet mit den Menschen vor Ort und schaut, wo Verknüpfungen an bestehende Pläne möglich sind.

Beispiele für umfassende Verkehrswendepläne:


Hilfsmittel für die Erstellung von Verkehrswendeplänen
Wir helfen Euch direkt durch Beratung, Workshops usw. Zudem gibt es eine Simulationssoftware für die Verkehrsflüsse, die mensch sich zwar etwas hineinfuchsen muss, die aber ziemlich leistungsfähig ist - und vor allem kostenfrei (Open Source) ... Info und Download hier!

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